Montag, 11. Februar 2013

22 . Kapitel : Entkommen, aber noch nicht gerettet...



Auch in Brasilien gab es Nazis unter der deutschsprachigen Bevölkerung , ganz besonders im Süden des Landes.  Diese Gruppe hatte mehrere Umzüge veranstaltet, in denen sie forderten das Land an Deutschland abzutreten, da es deutsch sei.  Diesem Wahnsinn musste ein Ende gemacht werden und so beschloss Getúlio Vargas , der damalige President Brasiliens,  einige Massnahmen zu ergreifen, wie zum Beispiel zu verbieten , dass in der Öffentlichkeit deutsch gesprochen wurde . Das bedeutete, in keinem Theater, bei keiner Predigt in den Kirchen und in keiner Schule , durfte deutsch gesprochen werden.
Und das ausgerechnet zu der Zeit, in der wir planten Theater in deutscher Sprache zu spielen, da wir ja nun mal kein Portugiesisch sprachen.
Meine Hoffnungen zerplatzten wie Seifenblasen und schwere Sorgen lagen auf meiner Seele. Wie sollten wir hier ohne Geld und ohne Geld verdienen zu können, überleben?
Gott sei Dank hatte ich bereits als Kind gelernt in schwierigen Situationen nicht schnell den Kopf zu verlieren.
 Ich war nach meiner Ankunft in Rio ja erstmal mit meinem Onkel nach Petrópolis gefahren, wo er seinen Wohnsitz hatte...jetzt fuhr ich wieder zurueck nach Rio, um zu versuchen bei dem dortigen grossen orthopädischen Institut , eine Anstellung zu bekommen. Ich sprach mit dem Leiter des Instituts, zeigte meine Ausweise und mein Diplom der Hochschule in Berlin, aber ich hatte keine Chance. Man sagte mir nämlich  ich müsste erst die Hochschule in Brasilien absolvieren, das daure 5 Jahre und erst dann könne man mit mir ueber eine Anstellung sprechen!
Das klappte also nicht.
Dann ging ich zur "katholischen Aktion"(*Die Katholische Aktion (kurz KA) versteht sich als Laienbewegung der katholischen Kirche, die durch Verkündigung des Evangeliums im Laienapostolat im Sinne der katholischen Soziallehredie Gesellschaft und die Kirche mitgestalten will*.). Hier bedachte man sich eine Weile...  :
-"Können Sie Lastwagen fahren?"
-"Ja"
-"Können Sie Motorboot fahren?"
-"Ja"
-" Wir haben in Cananeia eine Fabrik, in der Dauben von Fässern hergestellt werden. Sie können dort arbeiten. Sie kriegen kein Gehalt, aber kriegen ein Haus zur Verfügung gestellt und können auf Kosten der Fabrik im fabrikeigenen Laden einkaufen."
...
Es war fürs Erste die Lösung meiner Probleme, denn ich musste ja meine Familie , deren Ankunft kurz bevorstand, irgendwo unterbringen. Ich sagte also zu und bat  meinen Onkel, die Familie am Hafen abzuholen und nach Cananeia zu schicken...mein Onkel wollte allerdings auch mit, denn er wollte sehen ob es auch für ihn dort eine Möglichkeit zu leben gab .





Ich bekam eine Fahrkarte für einen kleinen Küstendampfer,  der dann auch nach einer Unzahl von Aufenthalten, nach drei Tagen in Cananeia ankam.
Auf der Reise wurde ich von einem Insekt gestochen, was meinen Fussknöchel anschwellen liess, sodass ich humpelnd ankam. es dauerte ganze zwei Wochen bis ich wieder normal gehen konnte.
Cananeia war ein kleines Nest, mit rund 1200 Einwohnern, galt aber trotzdem als Kreishauptstadt. Die Fabrik war das grösste Gebäude das es gab. Der leitende Ingenieur war ein Herr Schulz, der auch deutsch sprach. Es gab rund 20 Beschäftigte. Einer von Ihnen, ein Senhor Luís, stammte aus Santa Catarina und sprach das eigentümliche Deutsch der Südbrasilianer, eine Mischung fast aller deutschen Dialekte. Er war mein Rettungsanker, denn er brachte mir meine ersten Portugiesischkenntnisse bei.
Das Haus war klein , aber nett und möbeliert. Jetzt konnten alle kommen, wir waren vorerst gerettet...




1 Kommentar:

  1. Liebe Nina Pfeffer.
    bitte melden Sie sich dringend bei mir bezügl der Max und Moritz-Bühne. Vielen Dank!
    Gudrun-Sophie Frommhage (Museumsleitung)

    WilhelmBbusch Geburtshaus

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