Donnerstag, 21. Februar 2013

33 . Kapitel : Das Verbot!





Im Aluminium Theater in Rio spielten wir pro Woche zweiundzwanzigmal. Montags bis Freitags je zweimal, Samstags dreimal, Sonntags viermal, und das bei einer Hitze die im Theater 40° erreichte. Die Firma Coca-Cola verteilte aus Reklamegründen ihr Produkt, eisgekühlt und auch wir bekamen einen Teil davon ab. Das kostete mich acht Tage lang meine Stimme!





Wir begannen eine Tournee durch Südbrasilien, da wo die Deutschen in der Bevölkerung eine Mehrheit bildeten, zumindest in Städten wie Joinville und Blumenau.

Joinville erinnert stark an Holland. Die Stadt wimmelte von Radfahrern.



Dort bat man uns inständig doch zu probieren, ob wir nicht Erlaubnis bekommen könnten die Vorstellung in deutsch zu spielen.
Ich ging also zur Polizeistation und sprach mit dem Polizeichef. Dieser fand das Verbot, deutsch zu sprechen, einen kompletten Blödsinn,  sagte aber auch das er darüber nicht entscheiden könne,  dafür sei das Militär zuständig.
Ich ging also zur Militärverwaltung.
Ich sprach mit dem diensthabenden Offizier und erklärte ihm, wie schwer es meiner Truppe fiel, in einer ihr fremden Sprache spielen zu müssen,  dass wir das aber bis jetzt mit viel Mühe getan hatten und es uns doch somit bestimmt verdient hätten, jetzt auch wenigstens eine einzige Vorstellung in deutsch geben zu dürfen.
 Es handele sich ja auch nur um eine Kindervorstellung!
Der Offizier dachte einige Zeit nach und kam dann zu dem Schluss, dass es eigentlich kein großes Problem wäre,  aber das seine Truppe dies vielleicht nicht so empfinden würde.
   Er würde daher ein Manöver außerhalb der Stadt anberaumen .

Ich ging also freudestrahlend wieder zurueck zum Polizeirevier und sagte dem Polizeichef, dass er jetzt bekanntgeben könne, dass es IHM gelungen sei, die Erlaubnis des Militärs für die Vorstellung in deutscher Sprache zu bekommen.
Das sprach sich wie ein Lauffeuer herum.

Nachdem wir in Curitiba gespielt hatten, waren unsere Kulissen und Kostüme von einer Spedition abgeholt worden, um sie nach Joinville zu bringen,  bis jetzt waren die Sachen aber immer noch nicht angekommen. Ich probierte bei der Spedition anzurufen, konnte aber nicht, denn die Telefonlinien zwischen den beiden brasilianischen Staaten Santa Katharina und Paraná, waren wegen eines Streites zwischen ihnen, ausser Betrieb gesetzt worden.
Da unsere Sachen nicht da waren, mussten wir also den Termin verschieben, mit ungeahnten Folgen!

Mitten in der Nacht klopfte es wie wild an meine Zimmertür.
Es war der Polizeichef persönlich . Die Vorstellung müsse unbedingt am nächsten Tag stattfinden, keinesfalls später!!!

Ich versuchte ihm klarzumachen, dass wir ohne Kostüme und Kulissen kein Theater spielen könnten....
Dies sei ihm egal, sagte der Polizeichef....die Leute in der Stadt würden nämlich glauben , er hätte die deutsche Vorstellung wieder verboten...dabei ging er bis zum Fenster meines Zimmer und zeigte beunruhigt mit dem Finger nach draussen, damit auch ich sehen konnte, warum er so aufgeregt war.
Der Platz vor dem Hotel war nämlich voller , teilweise bewaffneter, Menschen. Der Polizeichef mit seinen wenigen Polizisten, war diesem Ansturm einer wütenden Menge nicht gewachsen und die Soldaten des Militärstützpunktes waren ja alle auf dem Manöver!

Da ich seine Sorgen nun besser verstand, nahm ich mir ein Taxi und fuhr nach Curitiba zu dem Spediteur. Dort lagen unsere Sachen friedlich in einer Halle. Man hatte alles wieder ausgeladen, weil es eine lohnendere Fracht gegeben hatte!
Ich konnte den Inhaber der Spedition aber mit Engelszungen dazu überreden noch in dieser selben Nacht die Fracht persönlich nach Joinville zu bringen.
Der Laster mit unseren Sachen wurde bei seiner Ankunft mit grossem Jubel empfangen und der Polizeichef hielt eine Rede, in der er betonte, welch grosse Mühe er sich gegeben hätte, dieses Gastspiel zu ermöglichen!

Und so wurde also, nach elf Jahren des Verbotes der deutschen Sprache, die erste Vorstellung in deutsch gespielt.
Max und Moritz machten es möglich!




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