Montag, 11. Februar 2013

23 . Kapitel : Abenteuer jeder Art...

Meine Familie kam zwar wirklich die nächsten Wochen an, aber sie reisten auch in Windeseile wieder ab. Nur meine Mutter hatte alles abenteuerlich und interessant gefunden, vor allem so wunderbar Nazi-frei! Aber der Rest meiner Leute hielt es nicht aus. Es war ihnen zu fremd, und so reisten sie nach drei Wochen wieder ab, meine Mutter mit dem Versprechen zu sehen, ob sie irgendwie ueber die Verbindungen ihrer Freundin Aracy , an eine bessere Geldquelle gelangen konnte.

Mein Leben in Cananeia war sehr abenteuerlich. In einer regnerischen Nacht zum Beispiel , schreckte ich aus dem Schlaf hoch, weil irgend etwas an die Tür meines Hauses bollerte, schlaftrunken öffnete ich  und vor mir stand die einzige Kuh des Dorfes auf der Schwelle...das arme Tier war genauso entsetzt wie ich , auf diese Art und Weise mit einem anderen Lebewesen konfrontiert zu werden, sie zog also beleidigt ab und ich konnte ruhig weiterschlafen.
Ueberhaupt sah ich Unmengen von Tieren denen ich noch nie zuvor begegnet war, jedenfalls nicht in freier Natur! Kolibris, die scheinbar mühelos in der Luft "stehen" konnten, Wildschweine, Pacas ,

Paca


kleine Affen und jede Menge Papagaien...Es gab natuerlich auch Schlangen und ein paar sehr unangenehme , weil giftige, Spinnenarten. Man erzaehlte mir zur Beruhigung , dass Wasserschlangen in der Regel nicht giftig sind, aber dies war mir nur ein schwacher Trost, denn es reicht ja wenn man auch nur einer einzigen Giftigen begegnet!
Ah...und das Meer! Ich wollte endlich einmal baden gehen, der Strand lag so verlockend weiss vor mir.  Badehosen hatte ich mit und schon hielt mich nichts mehr. Das Wasser des Atlantik war warm und sehr salzig und trug deshalb besonders gut. Ich fing an weiter rauszuschwimmen, als plötzlich vor mir der grosse Kopf eines Tieres aus dem Wasser ragte. Ausgerechnet ich, der nie an den Teufel geglaubt hatte, glaubte diesen nun, aus purer Rache,  vor mir zu sehen...und so schwamm ich denn auch in rekordverdächtiger Geschwindigkeit zurueck an den Strand . Glücklich auf festem Boden, sah ich lauter grinsende Gesichter um mich herum....es war nur ein Delphin gewesen!
Als ich bei einer Gelegenheit mit dem Lastwagen 10 km ins Landesinnere fahren musste, brauchte ich fuer diese Strecke ganze 8 Stunden! Die Strasse war nur bedingt als solche zu bezeichnen. Sie war glitschig, weil sie aus Lehm war und es vorher geregnet hatte. Es gab mehrere Bäche auf der Strecke, eher Priele, ueber die man nur kam, wenn man vorher eine befahrbare Bruecke baute. Der reine Wahnsinn, aber ein gutes Abenteuer.
Allerdings bekam ich dann aber Schwierigkeiten mit der höhsten Obrigkeit vor Ort , nämlich den Befehlshaber des sechskoepfigen Polizei- Aufgebots . Dieser hatte, ich habe keine Ahnung woher, gehoert das Hitler die Tschechoslowakei besetzt hatte... er hatte zwar nicht die geringste Ahnung wo die Tschechoslowakei war, aber dennoch wurde er praktisch ueber Nacht zum Deutschen-Hasser. Es nützte nichts ihm zu erklären dass ich selbst vor Hitler geflüchtet  war, er war der Ansicht das man alle Deutschen erschiessen sollte und er deutete an , dass er grosse Lust hatte bei mir damit anzufangen!
Ich schlug ihm dann vor, wir könnten uns ja ausserhalb der Stadt duellieren, er war damit durchaus einverstanden und ich habe ihn danach  nie wieder gesehen....allerdings durfte ich nach dieser pittoresken Episode nur noch Arbeiten verrichten , die sonst niemand machen wollte....alles andere war von nun an polizeilich verboten.
Ich grub einige zeitlang Brunnen, aber dann stach mich eine schicksalshafte Mücke und ich bekam die Malaria. Ich musste raus aus Cananeia! Ich verkaufte all mein Hab und Gut, Schreibmaschine und Fotoapparat und kaufte ein Ticket nach São Paulo.

Damit waren meine Abenteuer im Inland fürs Erste beendet!










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