Sie hatte in Österreich einige Kurse belegt, für Gesichtspflege und Kosmetik, und gedachte einen Schönheitssalon zu eröffnen.
Das Kapital bekam sie in Brasilien von einem Bekannten geborgt, einem brasilianischen Theaterdirektor, namens Ernesto Farina und so reiste sie wieder zurueck nach Österreich, um einige Sachen der Max und Moritzbühne, die wir noch drüben hatten, zu verschiffen.
Kostüme , Kulissen und auch einen Konzertflügel, den sie Herrn Farina in São Paulo versprochen hatte zu besorgen.
Und dann machte das Leben wieder einmal eine seiner berühmt - berüchtigten, und aus gutem Grunde gefürchteten Drehungen...
Ich bekam nach 14 Tagen ein Telegramm von Fredy :
- " Mutter gestorben, komm sofort hierher"!
Das war ein schrecklicher Schock....
Ich konnte nicht nach Salzburg fliegen und für das Begräbnis wäre ich ohnehin schon zu spät gekommen....
Ich schaffte es mit dem Inhaber de Salons zu verhandeln und die Einrichtung wieder zurückzugeben.
Fredy sagte mir der Flügel sei gekauft worden und das er ihn und auch die anderen Sachen nach Brasilien bringen könnte, wenn ich für ihn und eine junge Schauspielerin, die er gerne mitnehmen wollte, das Ticket bezahlen würde.
Ich brauchte den Flügel, denn dieser gehoerte ja Herrn Farina . Ich borgte mir nochmals etwas Geld und schickte es Fredy, damit er kommen konnte.
Das argentinische Schiff, das er gebucht hatte, kam nach ein paar Wochen an, mit Fredy und der jungen Dame in seiner Begleitung, aber ohne den Konzertflügel!
Alle bestätigten dass der Flügel verladen worden war. Ich hatte es sogar schriftlich. Nichtsdestotrotz, war von ihm weit und breit nichts zu sehen.
Man sagte mir, man hätte wohl vergessen ihn auszuladen. Ich müsste also warten, bis das Schiff aus Buenos Aires wieder zurück käme.
Vier Wochen später kam das Schiff, der Flügel allerdings mitnichten!....Er sei aber bestimmt ausgeladen worden, nur wusste niemand genau wo!
Nochmal zwei Wochen später bekamen wir einen Anruf aus Santos. Der Flügel sei dort....wir fuhren sofort hin, aber ich wusste bereits, dass das nicht gut sein konnte. Er stand seit zwei Monaten am Kai in Santos, einem der heissesten Häfen der Welt, bei Regen und Sonne. Viel konnte nicht mehr davon übrig geblieben sein.
Tatsächlich war nur noch Staub da und ein paar Elfenbeinplättchen, das waren wohl mal die Tasten gewesen.
Natürlich kam es zu einer Beschwerde, aber natürlich brachte diese auch nichts. In Brasilien laufen die Dinge eben anders als anderswo.
Was aber jetzt? Der Flügel war ja eine bereits bezahlte Bestellung gewesen.
Herr Farina, der Besitzer dieses Unglücksflügels liess mit sich handeln und fragte, ob wir nicht als Ausgleich, eine Kindervorstellung in portugiesischer Sprache geben könnten. Das war immerhin eine Idee.
Die Kiste die mein Vater mitverschifft hatte, enthielt einige wichtige und für ein Theater wertvolle Dinge, wie alte Schwerter und Rüstungen, die aber für mich im Augenblick ziemlich wertlos waren.
Aber ich hatte die Leute die unser Hauptstück in und auswendig konnten, wenn auch in Deutsch. Es gab aber in Brasilien auch eine Übersetzung von Max und Moritz, unter dem Namen "Juca e Chico". Mithilfe dieser Übersetzung konnte ich das Stueck dann in die portugiesische Form umschreiben .
Ich muss dazu auch noch sagen, dass damals Kindervorstellungen gespielt von Erwachsenen, in Brasilien unüblich waren. Herr Farina kannte diese Art von Theater also nicht und war sehr neugierig es auszuprobieren.
Wir gingen daran die Vorstellung vorzubereiten. Unsere beiden deutschen Schauspielerinnen die kein portugiesisch sprachen, mussten die Texte phonetisch lernen. Man kann dabei nicht improvisieren, denn dann fehlen einem ja die Worte.... Für die Rollen von Max und Moritz engagierte ich zwei Töchter des Schuldirektors meiner Tochter, alle männlichen Rollen übernahm ich selbst.
Wir bestellten Plakate, Flugzettel und Programme.
Es wurde ein voller Erfolg und so spielten wir eine Woche lang stets vor ausverkauftem Haus.
Unser Erfolg sprach sich in Theaterkreisen schnell herum und ein Impresario aus Rio de Janeiro kam, um uns für ein neugebautes kleines Theater , namens "Teatro de Alumínio", das wir eröffnen sollten, zu buchen.
Also ging es los nach Rio....




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