Während ich noch in Salzburg war, bat mich ein guter Freund , der in einem Reisebüro arbeitete, ob ich wohl so nett wäre ein paar Amerikanerinnen durch die Stadt und die Umgebung zu chauffieren. Es gab nur sehr wenige Autos, denn die meisten waren während des Krieges beschlagnahmt worden. Ich sagte gerne zu und die Fahrt war sehr drollig. Es waren etwas ältere Damen, sehr nett und auch sehr neugierig. Von jeder auch noch so kleinen Bergspitze wollten sie den Namen wissen, aber ich hatte meist nicht die geringste Ahnung welche Namen diese hatten.
Da ich aber höflich sein wollte und man als "Gastgeber" sowas ja schließlich wissen müsste, fing ich an den Bergen allerlei verrückte und zungenbrecherische Namen zu geben. Einer davon war somit der berühmte "Oachkatzerlschwoaferlspitz"! Die Damen bemühten sich, zu meinem außerordentlichen Vergnügen, diesen Namen nachzusprechen...sie schafften es nicht , aber fanden es "wonderful"!!!
Die Amerikaner waren ohnehin etwas besonderes.
Als ich eines Tages nach Freilassing fuhr, ging mir der Sprit aus. Benzin konnte man nur mit Marken bekommen und man bekam immer nur sehr wenige davon. Das war ein grosses Problem, da wir ja sehr oft nach Freilassing mussten.
Ich stand fast genau vor der amerikanischen Kaserne und wusste nicht was ich nun machen könnte als mir einfiel, dass ich ja praktisch als Brasilianer zu den Amerikanern gehörte...ich ging also in die Kaserne, stiess dort auf einen Sergeanten der mich fragte was ich wollte. Meinen brasilianischen Pass zeigend, bat ich um Hilfe.
-"Ouh, we'll help you"!
Er rief auf der Stelle ein paar Soldaten und nach einiger Zeit brachten diese auch wirklich zwei grosse Kanister mit Benzin.
Ich bedankte mich herzlich und die Soldaten fragten mich, ob ich wohl ein paar "Brazilian Dollars" hätte.
Ich hatte tatsächlich ein paar brasilianische (wertlose) Geldnoten dabei, die ich ihnen natürlich gerne gegen echte amerikanische Dollarnoten eintauschte.
Ich traf die gleichen Soldaten noch einmal an Sylvester in Freilassing. Sie begrüssten mich und fragten, ob ich wieder Benzin bräuchte und ob wir über Sylvester denn auch genügend zu essen hätten. Ich machte ein etwas zweifelndes Gesicht...
-"Wait a moment"!
Nach ein paar Minuten kamen sie wieder, mit einem bratfertigen Puter, den sie mir mit den besten Wünschen für ein frohes 1947 in die Hand drückten.
Diesen Puter über die Grenze zu bekommen war etwas schwierig, wegen des Verbots der Ausfuhr von Lebensmitteln aus Deutschland, aber ich kannte die Gegend gut genug um einen Grenzübergang zu kennen, der wenig genutzt wurde.
Ich fuhr ohne anzuhalten einfach mit Vollgas über die Grenze bis nach Hause. Damals waren die Zöllner noch schlecht ausgerüstet, heute würde ich das wohl eher nicht mehr machen.

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