Montag, 11. Februar 2013

16 . Kapitel : Ein typisch jüdisches Familienschicksal ...

Trotzdem  es dem Anschein nach alles gut bei uns lief, waren wir keineswegs  gegen Familientragödien gefeit. Die Schwester meiner Mutter, die in Dresden mit ihrem Mann und zwei Töchtern,  Ilse und Margot lebte, nahm sich mit Gas das Leben, nachdem man  ihrer erst 15 jährigen Tochter  Margot einen Schulpreis für den besten Aufsatz wieder abnahm, weil man durch einen Denunzianten herausfand, das sie trotz ihres so "arianisch" klingenden Nachnamen "Neuding", eigentlich Jüdin war. Ihr Freitod weckte die Neugier der Gestapo, die dann kam um ihren Mann, Fritz Neuding (aus Polen) und die beiden Mädchen abzuholen ...diese waren aber inzwischen in einem Kibbuz und hatten die Erlaubnis nach Palästina auszureisen. Sie konnten weg, aber ihr Vater (mein Onkel) kam in ein KZ und wurde nie wieder gesehen....

Ilse (13) und Margot (15)...auf dem ersten Bild mit ihrer Mutter, meiner Tante, die sich das Leben nahm...

Die Familie Neuding war übrigens eine "arme" jüdische Familie, wie es sie überall gab. Sie waren auch nicht besonders religiös...
Ich traf Margot im Jahre 1947 noch einmal , in Nürnberg, sie war bei der amerikanischen Armee und hatte einen Amerikaner geheiratet. Ihre Schwester Ilse war bei den Engländern gelandet, wurde durch Giftgas zeitweise blind, lebte und heiratete später dann in Palästina und starb dort an spinaler Kinderlähmung.

Eigentlich wollte ich zu der Beerdigung meiner Tante nach Dresden fahren, und kam auch bis Chemnitz, aber dort wurde mir dann auch klar, welches hohe Risiko ich einging, da ja vermutlich Gestapo-Spitzel anwesend sein konnten, nur um andere Familienangehörige bei dieser Gelegenheit festzunehmen. So kehrte ich wieder um nach Salzburg.


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