Montag, 11. Februar 2013

19 . Kapitel : Tropikale Pläne

Ich floh erstmal nach...Berlin!
Hier sollte es noch Möglichkeiten geben ein Visum ins Ausland zu bekommen. Es gab sogar in der Friederichstrasse, im Herzen Berlins, eine jüdische Organisation , die sich für solche Fälle einsetzte , soweit es ihr moeglich war.
Als erstes musste ich meinen Pass verlängern lassen , der war abgelaufen. Das machte keine grossen Schwierigkeiten, aber jetzt bekam ich erstmals das grosse rote "J" eingestempelt. Damit war ich an jeder Grenze als Jude gekennzeichnet, ein gemeiner Trick der Nazis. Das "J" besagte : man darf raus , aber nicht wieder rein. Die Einreise in ein anderes Land war damit erschwert, denn kein Land möchte jemanden einreisen lassen, den sie nicht wieder rausschmeißen können,  sollte er ihnen dort irgendwie zur Last fallen!

Pässe aus dem Holocaust Archiv.....
Man schickte mich zum Paraguayischen Konsulat, wo man angeblich ein Visum bekommen konnte, und tatsächlich , für eine "Lappalie" von 1000 Mark bekam ich es auch...wenn es auch normalerweise nur 12 Mark gekostet hätte.... viele wollten vom Unglück der Juden profitieren! Die Raffgier christlicher Autoritäten war der jüdischen Lust am Geldverdienen, weit überlegen. Das sollte ich noch oft erleben....

Mit dem Visum im Pass schickte mich die jüdische Organisation nach Hamburg, und das war eine so sonderbare Geschichte, dass ich sie unbedingt erzählen muss.
Man sagte mir genaustens was ich in Hamburg zu tun hatte :

"Gehen Sie in Hamburg in das Polizeipräsidium ; dort fahren sie mit dem Fahrstuhl in den dritten Stock. Sie kommen in einen Gang, den gehen Sie auf der rechten Seite bis zur letzten Tür . Gehen Sie in dieses Buero. Dort sitzt ein älterer Herr. Sagen Sie kein Wort. Er wird Ihnen ein Papier aushändigen mit ihrem Namen. Sie verlassen das Zimmer, fahren wieder nach unten und der Fall ist erledigt."

Ich tat wie man es mir gesagt hatte. Das Papier das ich dort bekam , war eine offizielle polizeiliche Bestätigung  dass meiner Wieder-Einreise nichts entgegenstehe. Der menschliche Beamte in Hamburg wurde bald danach verraten, verhaftet , in ein Lager geschickt und wurde nie mehr gesehen.
Während ich in Hamburg war, bedachte ich die Ausreise nach Paraguay. Ich hatte nie viel über dieses Land gehoert und das was ich gehoert hatte, klang nicht sehr tröstlich.
Argentinien oder eher noch Brasilien,  hätten mir besser gefallen, da auch bereits ein Bruder meiner Mutter (der, der im ersten Weltkrieg fünfmal verwundet worden war...), dort seit Jahren lebte. Er war der Verfolgung entkommen, da er sich in seiner Verzweiflung bei der französischen Fremdenlegion beworben hatte und als gedienter Soldat auch angenommen wurde. Nach Ablauf der Dienstzeit kam er auf irgendwelchen Umwegen nach Brasilien. Dort wollte ich eben auch gerne hin.
Und nicht nur ich, meine ganze Familie! Aber woher sollte ich das Visum bekommen?
Auf diese Art und Weise haben sich die meisten Länder ja auch mitschuldig am Massaker an den Juden gemacht. Sie machten ihre Grenzen dicht und nahmen keine Flüchtlinge auf . Ich wollte es aber dennoch probieren und ging in das brasilianische Generalkonsulat in Hamburg. Im Konsulat sagte mir ein dort im Büro sitzender Herr, das es selbstverständlich Visen für Touristen gäbe.
Ich ging daraufhin frohen Mutes zur "Hamburg Süd", die die Schiffe nach Südamerika betreute. Dort hatte man mir bereits vorher schon einmal die Auskunft gegeben, man bräuchte für die Buchung der Reise ein gültiges Visum. Ich sagte ihnen, das ich bereits das feste Versprechen des Konsuls hätte,  da ich dachte , der nette Herr vom Konsulat wäre der Konsul gewesen...und erklärte dem Angestellten, er könne ruhig dort anrufen...Vermutlich sah ich so ehrlich aus, dass sie nicht anriefen, und ich durfte stattdessen die Reisetickets buchen... für den 23. Dezember 1938.....




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