Montag, 11. Februar 2013

15 . Kapitel : Der Wehrpass...

Die Pechsträhne verfolgte uns aber noch ein bisschen länger. Fredy stürzte eines Tages so unglücklich  dass er sich das Schultergelenk brach und mit einem Gestell rumlaufen musste, was das Theaterspielen für ihn eine Weile unmöglich machte.


Da wir aber viele Verträge mit Theatern hatten, übernahm ich zusammen mit meiner Mutter die Leitung der Bühne und das funktionierte dann so gut, dass es auch dabei blieb, selbst als Fredy wieder gesund war. Wir bauten daher eine zweite Bühne für ihn auf . Die eine spielte im Norden, die andere im Süden ..bei uns klappte dies sehr gut, bei meinem Stiefvater eher selten, denn er war ein besserer Schauspieler als ein Geschäftsmann, und wir mussten ihm immer wieder unter die Arme greifen....
Bei einem Gastspiel in Zwickau gab mir der Portier des Hotels, in dem wir währenddessen wohnten, einen Brief vom Wehramt Zwickau . Ich konnte das erstmal nicht begreifen...woher um Himmels Willen konnten die denn wissen, dass ich gerade jetzt in Zwickau war??
Die Lösung dieses Rätsels war dann aber denkbar einfach. Wir hatten vor drei Jahren einen Wagen dort zugelassen und hatten natürlich bei der Gelegenheit eine Adresse angegeben, nämlich die des Hotels.
Was sollte ich nun tun? Die Einberufung ignorieren? Das hätte allerdings zu Nachforschungen geführt,  die wir uns in unserer Situation nicht leisten konnten . Ich beschloss also, zur Musterung zu erscheinen . Diese fand in einer Schule statt. Ich erklärte sofort dass diese Einberufung ein Irrtum sei, da ich nicht in Zwickau ansässig war, aber man sagte mir, dies spiele keine Rolle, ich sei ja nun mal bereits da und so könne ich dann auch gemustert werden....



Ich wartete in einem kleinen Restaurant auf die Musterung, als ich in den Gastraum eintrat, sassen bereits einige Unteroffiziere und Feldwebel ebenfalls dort. Als ich meinen Mantel ausziehen wollte, sprang einer dieser Herren auf, um just mir aus dem Mantel zu helfen... vermutlich hielten sie mich für einen "Bonzen", da ich wirklich ziemlich elegant angezogen war. Und mir wurde beinahe schlecht, denn alleine die Vorstellung, was dieser Mann , der ja auch bei der Musterung anwesend sein würde  und vielleicht später herausfaende , dass er soeben einem Juden aus dem Mantel geholfen hatte, dann tun würde, war gar zu schrecklich!
Aber die Musterung ging sehr ruhig vonstatten und ich erhielt einen Wehrpass, der mir in Zukunft als Ausweis diente und den Gedanken , das ich Jude sein könnte, bei anderen gar nicht erst aufkommen liess.





** Anmerkung:

Es gab da auch die interessante Geschichte, dass mein Vater, bevor er seinen Wehrpass bekam, auch einmal in einem Lokal war auf ein Glass Bier. Der Ort war voller Soldaten der Waffen-SS. Einer von ihnen, bereits leicht angetrunken, kam zu meinem Vater, schlug ihm kräftig auf die Schulter, und sagte :
-  Sie, mein Herr, sind ein richtiger deutscher Mann !!!

Soweit zur Erkennung jüdischen und nicht-jüdischen "Seins".............mein Vater ging nach dieser Episode dann lieber doch nicht mehr in öffentliche Lokale und trank fortan auch nie wieder Alkohol, da er Angst hatte,  bei dieser Gelegenheit einmal etwas Falsches zu sagen!

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