Montag, 11. Februar 2013

17 . Kapitel : Steinige Wege...

Mein Leben bestand durchaus nicht nur aus Theater. Ich hatte in Berlin die Hochschule für Leibesübungen besucht und hatte ein Diplom als Sportlehrer. In den Sommern arbeitet ich als Sportlehrer bei Dr. Degener und nach der Beerdigung meiner Tante, durfte ich, aufgrund meines Diplomes, im orthopädischen Institut in Salzburg zusammen mit einem Freund arbeiten. Es macht mir grossen Spass und ich hätte gerne weiter mit Heilmassagen gearbeitet, aber Hitler machte mir einen Strich durch die Rechnung.
Die Max und Moritz - Bühne funktionierte weiterhin von September bis April, und ich blieb dabei, da sie mir als Tarnung diente, durch die mir ein fast normales Leben möglich war, aber ich sah auch sehr viel Elend.  Wie zum Beispiel in Erlangen, wo ich eine Nacht lang auf dem Weg nach Nürnberg , übernachtete  Am nächsten Morgen sah ich die Strasse übersaet mit Waren jüdischer Geschäfte, welche wohl  über Nacht geplündert worden waren, wobei man alles einfach auf die Strasse geschmissen hatte. Niemand durfte die Dinge aufheben oder auch nur anfassen...es sollte alles vernichtet werden. (Reichspogromnacht)



Im Rathaus von Erlangen, wo ich noch etwas zu erledigen hatte, sah ich dann ,  während ich dort durch die Flure ging,  im Hof etwa 20 Frauen mit Kleinkindern, die auf irgendetwas zu warten schienen. Polizeibeamte boten ihnen etwas zu trinken an , vermutlich wusste wohl niemand so genau was mit ihnen geschehen sollte, aber ich erfuhr hinterher, dass dies die Ehefrauen der Geschäftsbesitzer waren,  die bereits in ein KZ gebracht worden waren...die Frauen und Kinder kamen danach später in ein anderes KZ.

In Nürnberg angekommen, empfing mich ein riesiges Feuer. Man hatte die dortige Synagoge in Brand gesetzt. Die dabei zusehenden Menschen hatten alle sehr ernste Gesichter, als hätten sie Angst vor einer göttlichen Strafe. Ich sah keine einzige Beifallsbekundung.




Meine persönliche Lage war auch ziemlich kompliziert . Ich war fast 28 Jahre alt , hatte keinen wirklichen Beruf und war in einem Alter in dem man auch gerne eine Familie gründen möchte , das war mir jedoch versagt, denn jedes Mädchen das ich kannte, wäre kreischend weggelaufen, hätte ich von meinem jüdischen Hintergrund gesprochen, und Verbindung zu anderen jüdischen Familien hatte ich nicht. Ich war ja auch kein Jude, ich war Katholik und das alberne Gerede über  Rassenzugehörigkeit konnte ich sowohl damals, als auch bis heute nicht nachvollziehen. Von welcher Rasse ist denn dabei überhaupt die Rede??
Wie viele Völker sind denn bei ihren weltgeschichtlichen Wanderungen mit anderen Völkern zusammengekommen , haben sich vermischt, haben andere Religionen angenommen und wieder abgelehnt?? Wer kann denn überhaupt von sich behaupten er sei rein germanisch, rein romanisch, rein semitisch oder rein slawisch ?
Jemanden einer bestimmten Völkergruppe zuzuordnen ist daher fast immer eine politische Entscheidung , die auf unreine Geschäfte und undurchsichtige Hintergründe schließen lässt, so wie es ja auch bei Hitler der Fall war.



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