Wir hatten damit einen Präzedenzfall geschaffen und von da ab durfte man wieder offiziell deutsch sprechen. Zu einem neuerlichen Verbot hätte man ein neues Gesetz erlassen müssen und dafür bestand keine Veranlassung mehr .
Wir fuhren kreuz und quer durch Südbrasilien und bekamen auch Anfragen aus Montevideo in Uruguay. Also lernten wir eifrig spanisch. Montevideo erinnerte uns ein bisschen an...Wien! Die Stadt hatte ungefähr eine Million Einwohner, viele Kaffeehäuser und die Liebe zu gutem Essen. Man hoerte auch dort viel deutsch auf den Strassen, es gab eben sehr viel Auswanderer. Im Hafen der Stadt lag immer noch das Wrack des im Kriege versenkten Panzerkreuzers "Graf Spee", der hier Zuflucht gesucht hatte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantikschlacht#Kaperfahrt_der_Admiral_Graf_Spee_von_September_bis_Dezember_1939
Leider klappte unsere Tournee durch Uruguay dann doch nicht, denn meine Frau bekam Typhus und musste fast 6 Wochen ins Krankenhaus, meine Tochter bekam ueber lange Zeit hin schmerzhafte Spritzen, damit sie nicht auch krank wurde.
Wir waren froh wieder nach São Paulo zu kommen.
Ich übersetzte allerlei Grimmsche Märchen ins portugiesische und führten die Stücke alle auf.
und naturlich Max und Moritz :
Zwischendurch bekam ich noch die Möglichkeit nach New York zu fahren. Dort sollte ich ein Auto kaufen um es nach Brasilien zu bringen. Es war ein etwas eigenartiges Geschäft, aber das lag an den Gesetzen.
Es gab ein Gesetz das die Einfuhr von Autos verbot. Dieses Gesetz galt aber immer nur für ein Jahr, dann musste es erneuert werden. Zwischen dem Ablauf und der Erneuerung lagen genau drei Wochen, in denen jedermann ein Auto einführen konnte .
Ich wurde also von einem Käufer, zusammen mit noch 19 Personen mit dem gleichen Auftrag, nach New York geschickt.
Wir blieben rund vier Wochen. Innerhalb von nur drei Tagen hatte ich den Kauf getätigt , im Wagen wurde alles eingebaut was nötig war, ich bekam alle Dokumente und die Verschiffungsurkunde.
Damit hatte ich ein bisschen Zeit, mich ein wenig umzusehen. Ich suchte ein paar direkte Familienangehörige, Brüder meines Vaters, von denen ich wusste, dass sie in New York lebten . Aber nach dem dritten Telefonbuch, in dem seitenlang mein Nachname stand, gab ich es auf.
Zurück in São Paulo , arbeitete ich als Reporter bei der deutschsprachigen Zeitung "Diário Alemão" und einige Zeit danach auch als Redakteur bei der "Brasil-Post", einer Zeitung die hauptsächlich auf dem Lande gelesen wurde bis hinunter nach Paraguay, denn dort lebten in den "Missionen" sehr viele deutsche Siedler.
Im Oktober 1952 kam meine Tochter Susanne zur Welt.
In dem gleichen Jahr verstarb mein Stiefvater, der inzwischen längst wieder nach Salzburg zurückgekehrt war.
Unser Haus in Salzburg hatte er , ohne mich als Erben zu berücksichtigen, auf dem Sterbebett der Stadt überschrieben.Im Jahre 1955 entschieden wir uns, diesmal zu viert, wieder nach Deutschland umzusiedeln.
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| Töchterchen Susanne.... |
Auch in Deutschland zog ich wieder die Max und Moritzbühne auf.
Im Jahr 1959 wollte meine Frau wieder zurueck nach Brasilien, weil sie ihre Familie vermisste und auch ich fuhr einige Monate später hinterher. Ich blieb dort dann noch rund zwei Jahre, bis ich mich (fast) endgültig für Deutschland entschied.
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Schlussbilanz...
In meinem weiteren Leben gab es noch viele Höhen und Tiefen, sehr viel Hin und Her.
Dieses Zigeunerleben schadete letztendlich meiner Ehe und wir trennten uns.
Ich fing noch einmal ganz von vorne an, heiratete eine Schauspielerin, bekam noch ein Kind, meine nunmehr dritte Tochter.
Die Max und Moritzbühne begleitete mich treu bei meinen Wanderungen zwischen Deutschland und Brasilien bis ins hohe Alter. Sie wurde 1986 verkauft, als mich mein Weg noch ein letztes Mal zurück nach Brasilien führte .
Alles in allem kann man wirklich sagen : Ende gut, fast alles gut!












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