Sonntag, 10. Februar 2013

6. Kapitel : Stepptanz und Führerschein...

Meine Eltern bekamen nur ueber die Sommerzeit noch ein kurzes Engagement am See, ein Kabarett...und da ich ja mitkommen sollte, um nicht alleine in Berlin zu bleiben , erklärte mein Stiefvater dem Direktor, dass er mich mitengagieren musste. Ich sei ein guter Stepptänzer und demzufolge brauchbar. Ich wurde tatsächlich engagiert, hatte aber keine Ahnung vom Steppen! Wir suchten uns also einen Tanzlehrer, der es mir dann bis zum Sommer beibrachte. Ein grosser Tänzer wurde ich damit nicht, aber es reichte vorerst.




Meine Eltern hatten während dieser Zeit eh einige sonderbare Einfälle. Mein Stiefvater, den ich von nun an  einfachheitshalber , Fredy nennen werde , fand ich muesste mich "ausarbeiten"! Meine Mutter fand ich sei zu "schlacksig".... daher wurde meine Schulzeit auf den Abendkurs verlegt, damit ich mich tagsueber in der Maschinenfabrik "Engels & Wegener" in Moabit , "ausarbeiten" konnte! Es war mein erstes selbstverdientes Geld ! 5,- Mark die Woche waren zwar kein Vermögen, aber es war meins und ich konnte damit so manche Begleiterin zu einer Flasche "Schwarze Katz" , ins Kaffeehaus einladen!



Meine Eltern fanden jedoch während dieser Zeit keine festen Engagements.

Nachdem meine Schulzeit nun zu Ende war, und keine Arbeit in Sicht war, bekamen wir das Angebot, den Sommer 1928 in Misdroy an der Ostsee zu verbringen, wo eine Cousine meiner Mutter (die ich "Tante" nannte) zusammen mit ihrem Mann, einem ebenfalls arbeitslosen Schauspieler, eine Eiskonditorei eröffnen wollte, um mitzuhelfen . Wir nahmen natuerlich an und auf gings nach Misdroy.




Dort herrschte dummerweise der kälteste Sommer seit Jahren und wir konnten unser Speiseseeis nur an Hotels und Pensionen verkaufen , dass ich per Rad  zu den Kunden brachte.

Allerdings durfte ich dann auch meinen Führerschein machen. 1928 war dies dann aber doch eine grosse Sache und viel ungewöhnlicher als heutzutage. Mein Lehrwagen war ein "Stoever", mit aussen liegender Gangschaltung, einer sogenannten "Kulissenschaltung"...ich lernte in Wollin, machte meine Prüfung in Swinemünde und erhielt meinen Führerschein pünktlich zum meinem 18. Geburtstag.

Nachtrag :
Mein Vater erzählte mir auch, dass er gleich am ersten Tag nach der Führerscheinprüfung, seinen Eltern stolz zeigen wollte, wie toll er nun fahren konnte, und fuhr dann gleich bei dieser Gelegenheit einen mitten im Hof stehenden Wasserhahn um! Es war ihm bis zum Lebensende peinlich, und deswegen verschwieg er es auch in seinem Manuskript.....


so sah der Wasserhahn aus, allerdings stand er tatsächlich mitten im Hinterhof, ziemlich unpraktisch, wenn man ein und ausparken will!


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