Sie verliebte sich Hals über Kopf in ihn , und der Fürst von Ratibor mitsamt der geplanten Hochzeit war vergessen.
Innerhalb kurzer Zeit folgte die Abreise nach Salzburg, mit mir im Gepäck denn man wollte natürlich heiraten, wenn dies allerdings auch ein Hürdenlauf war, denn Salzburg war eine streng katholische Stadt und die Hochzeit zwischen einem gläubigen Katholiken und einer Jüdin, war ein Ding der Unmöglichkeit. Also wurden wir getauft und somit katholisch und einer Hochzeit stand nunmehr nichts im Wege.
Ich wurde also mit 4 Jahren katholisch und hatte nicht die geringste Ahnung von dem Unterschied zwischen "jüdisch" und "christlich", und erst Jahre später mit 16 , verstand ich das Alfred Burger gar nicht mein "richtiger" Vater war, sondern mein Stiefvater. Adoptiert hatte er mich nicht, denn er dachte, dass meine deutsche Staatsbürgerschaft später vorteilhafter für mich wäre, als die österreichische.
1914, kurz nach der Hochzeit, begann der erste Weltkrieg und damit veränderten sich viele Dinge, auch wenn ich das noch nicht so genau erfassen konnte. Der Nationalismus war unter den Juden genauso gross, wie bei dem christlichen Teil der Bevölkerung. Meine männlichen Verwandten zogen alle begeistert in den Krieg .Der Bruder meines Vaters ging mit 16 Jahren freiwillig an die Front und verlor dort beide Beine. Ein Bruder meiner Mutter wurde fünfmal schwer verwundet und konnte nie mehr gerade gehen.
Fuer Schauspieler begann eine sehr harte Zeit. Viele Theater wurden geschlossen, da viele der Schauspieler an die Front mussten. Mein Stiefvater bekam ein Engagement in Zürich angeboten und er sagte sofort zu.
Zu seinem grossen Glueck hatte man ihn vorher als kriegsuntauglich erklärt da er einen leichten Herzfehler hatte, also stand einer Ausreise in die Schweiz nichts im Wege und fuer mich begann ein langer Weg durch mindestens 20 verschiedene Schweizer Schulen.
Das lag an den Schweizer Gesetzen. Das Land hat über 20 Kantone und in keinem der Kantone bekam man mehr als 4-6 Wochen Aufenthaltsgenehmigung, dann musste man ausreisen. Wir zogen daher von einem Kanton in den nächsten und ich musste immer wieder die Schule wechseln. Das verschaffte mir zwar eine gewisse Flexibilität im Umgang mit den unterschiedlichen Lehrern, aber für meine schulische Laufbahn, war es eher störend. Auch waren die Lehrmethoden in jeder Schule anders und einige der Kantone machten ihren Unterricht auf französisch, das war gewöhnungsbedürftig. Dazu kam dann noch das die meisten Schweizer nicht wirklich "deutsch-freundlich" waren. Je länger der Krieg dauerte, desto unfreundlicher wurden sie ; besonders als sich das "Kriegsglück" von den Deutschen abwandte.
Doch trotz vieler Schwierigkeiten überlebten wir den Krieg in der Schweiz ohne Sorgen um unser Leben und ich bin diesem Land dafür dankbar.


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