Samstag, 9. Februar 2013

1. Kapitel : Aller Anfang ist schwer....

Geboren wurde ich am 03.07.1910, in Breslau. Eine schwierige Zangengeburt.
Da war ich also in die Welt eingetreten; man hatte mich nicht gefragt, ob ich das auch wolle. Wer fragt ein Kind ob es geboren werden will? Es wäre eine sinnlose Frage, denn ich hätte sie nicht beantworten können  So ist es halt und man hat sich mit dem abzufinden, was man antrifft. Manchmal hat man Glück  manchmal Pech, meist eine Mischung von beiden....
Ich war nun also da und tat das einzig Vernünftige  was mir übrig blieb- ich schlief! So sammelte ich die Kraft die man braucht um das Leben zu bestehen. Ich wusste nicht, dass ich ein Jahrhundert betreten hatte, in dem die bestehende Ordnung weitgehend zerstört werden sollte.
 Mein Geburtsort war eine schöne grosse Stadt, damals im östlichen Teil Deutschlands gelegen (heute Polen),eine Stadt mit einer unruhigen Bevölkerung  die gerne in die Welt auszog. Ein Berliner Sprichwort der damaligen Zeit war : "Was ein richtiger Berliner ist, der kommt aus Breslau!"....Aus dieser Stadt stammten die berühmtesten Theater-und Filmregisseure. Da ich also dort geboren wurde, wäre ich vermutlich auch ohne den Druck Hitlers kein "ruhiger" Buerger Breslaus geworden....so war nur meine frühste Kindheit ruhig.


Meine Eltern war jüdischer Religion und so wurde auch ich als jüdisches Kind geboren, respektive dazu "gemacht". Bei der Erziehung aber gab es keinen Unterschied zwischen einem jüdischen oder einem christlichen Kind.
Meine Mutter war bei meiner Geburt erst 21 Jahre alt. Sie soll ein schönes junges Mädchen gewesen sein. Ihre Mutter starb , als sie erst 14 Jahre alt war. Ihr Vater war ein wohlhabender Geschäftsmann  die Familie kannte keine finanziellen Sorgen.
Mein Vater war Schlesier, ein Kaufmann und Angestellter bei einer grösseren Firma. Er war 26 Jahre alt, als ich geboren wurde. Leider litt er an einem Uebel  das damals so grassierte wie heute die Drogen. Er war ein Spieler.
Er bekam sein Gehalt, traf sich mit "Freunden", spielte und verspielte alles. Danach tat er dann das, was ebenfalls damals modern war...er erschoss sich und machte mich so zu einer Halbwaise und meine Mutter zu einer dreiundzwanzigjaehrigen Witwe.

Mein Großvater war von der autoritären Art, wie sie eben  im Kaiserreich üblich war. So wurde es beim Militär eingebläut , Kinder hatten zu gehorchen! Das war allgemein so, ob nun christlich oder jüdisch.


Meine Mutter war aber dem Befehlston ihres Vaters bereits entwachsen und so gab es häusliche Schwierigkeiten in Mengen.
Eine Frau mit einem Kind, ohne die "Führung" eines Mannes - unmöglich!  Dazu kam , das sie nicht in Breslau bleiben wollte. Verekelt wurde ihr die Stadt durch eine jüdische Sitte. Ein Selbstmörder wurde nämlich  verkehrt herum ins Grab gelegt , unter dieser Bestimmung der religiösen Gemeinschaft litt sie sehr!



Aber sie war noch jung und nach dem Trauerjahr wurde ihr, wie damals üblich, der "Hof" gemacht, ganz besonders von einem sehr eleganten Mann, dem Fürsten von Ratibor, der um ihre Hand anhielt und dem sie dann auch 1914 ein paar Monate vor Kriegsbeginn ihr "Jawort" versprach, der normale Weg eines Lebens im Kaiserreich, denn die jüdischen Deutschen waren ebenso kaisertreu  wie ihre christlichen Landsleute, und alles was von "Oben" kam, wurde als richtig akzeptiert.

Allerdings hat das Leben nun mal kein sehr festes Drehbuch und manche Dinge kommen anders als geplant.
So fuhr meine Mutter mit mir zu einer Tante nach Berlin , um sich für die bevorstehende Hochzeit einzukleiden, als sich plötzlich alles änderte!

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