Da war ich also in die Welt eingetreten; man hatte mich nicht gefragt, ob ich das auch wolle. Wer fragt ein Kind ob es geboren werden will? Es wäre eine sinnlose Frage, denn ich hätte sie nicht beantworten können So ist es halt und man hat sich mit dem abzufinden, was man antrifft. Manchmal hat man Glück manchmal Pech, meist eine Mischung von beiden....
Ich war nun also da und tat das einzig Vernünftige was mir übrig blieb- ich schlief! So sammelte ich die Kraft die man braucht um das Leben zu bestehen. Ich wusste nicht, dass ich ein Jahrhundert betreten hatte, in dem die bestehende Ordnung weitgehend zerstört werden sollte.
Mein Geburtsort war eine schöne grosse Stadt, damals im östlichen Teil Deutschlands gelegen (heute Polen),eine Stadt mit einer unruhigen Bevölkerung die gerne in die Welt auszog. Ein Berliner Sprichwort der damaligen Zeit war : "Was ein richtiger Berliner ist, der kommt aus Breslau!"....Aus dieser Stadt stammten die berühmtesten Theater-und Filmregisseure. Da ich also dort geboren wurde, wäre ich vermutlich auch ohne den Druck Hitlers kein "ruhiger" Buerger Breslaus geworden....so war nur meine frühste Kindheit ruhig.
Meine Mutter war bei meiner Geburt erst 21 Jahre alt. Sie soll ein schönes junges Mädchen gewesen sein. Ihre Mutter starb , als sie erst 14 Jahre alt war. Ihr Vater war ein wohlhabender Geschäftsmann die Familie kannte keine finanziellen Sorgen.
Mein Vater war Schlesier, ein Kaufmann und Angestellter bei einer grösseren Firma. Er war 26 Jahre alt, als ich geboren wurde. Leider litt er an einem Uebel das damals so grassierte wie heute die Drogen. Er war ein Spieler.
Er bekam sein Gehalt, traf sich mit "Freunden", spielte und verspielte alles. Danach tat er dann das, was ebenfalls damals modern war...er erschoss sich und machte mich so zu einer Halbwaise und meine Mutter zu einer dreiundzwanzigjaehrigen Witwe.
Mein Großvater war von der autoritären Art, wie sie eben im Kaiserreich üblich war. So wurde es beim Militär eingebläut , Kinder hatten zu gehorchen! Das war allgemein so, ob nun christlich oder jüdisch.
Eine Frau mit einem Kind, ohne die "Führung" eines Mannes - unmöglich! Dazu kam , das sie nicht in Breslau bleiben wollte. Verekelt wurde ihr die Stadt durch eine jüdische Sitte. Ein Selbstmörder wurde nämlich verkehrt herum ins Grab gelegt , unter dieser Bestimmung der religiösen Gemeinschaft litt sie sehr!
Allerdings hat das Leben nun mal kein sehr festes Drehbuch und manche Dinge kommen anders als geplant.
So fuhr meine Mutter mit mir zu einer Tante nach Berlin , um sich für die bevorstehende Hochzeit einzukleiden, als sich plötzlich alles änderte!



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