Samstag, 9. Februar 2013

3. Kapitel : Zurück nach Österreich ...

Nach Kriegsende kehrten wir zurück in unsere Heimat, zunächst erstmal nach Salzburg. Das Leben hatte sich voellig veraendert. Aus dem Kaiserreich war eine Republik geworden. Das einst grosse Österreich mit ueber 50 Millionen Einwohnern war klein geworden und zählte nur noch 7 Millionen, davon lebten 2 Millionen nur allein in Wien und neue Länder waren entstanden. Die Tschechoslowakei, Jugoslawien - Ungarn wurde selbstständig. Ganz Südtirol war von Italien besetzt worden und ist es bis heute. Das Hinterland für den Handel fehlte völlig, und so war es auch kein Wunder, dass sich die Not breitmachte.


Bei Notstandslagen brauchen Menschen Ablenkung, daher ging es den Theatern nicht schlecht. Mein Stiefvater war ein anerkannt guter Schauspieler mit guten Kritiken, aber obwohl das Stadttheater in Salzburg in keiner allzu schlechten Situation war, wurden feste Engagements immer unsicherer und durch die Teuerung wurde auch das Leben immer schwerer. Somit begann er also nach sichereren Möglichkeiten auszuschauen und die Stadt Hallein, nur 15 Km von Salzburg entfernt, bot im das dortige kleine Stadttheater an. Er griff sofort zu. Das Theater war ein grosser Erfolg, auch finanziell und er wollte mehr.
Er pachtete in Bad Gastein das dortige Kino und baute es zum Theater um.


Meine Mutter musste ihm dabei helfen und ich, mittlerweile 10 Jahre alt, stand beiden im Wege. Der Ausweg aus dieser Situation wurde auch bald gefunden. Meine Eltern schickten mich für ein Jahr gegen Bezahlung in ein neugebautes, von katholischen Schwestern geführtes Waisenhaus in Hallein-Burgfried. es ging mir dort nicht schlecht, ich war bei den Schwestern beliebt und alles was mich störte, war der allzu haeufige Kirchgang.


Zweimal täglich  einmal vor dem Unterricht, einmal am Nachmittag - Sonntags sogar dreimal! Obwohl ich auch hie und da mal ein Ministrant war und die Glocke laeuten durfte, bin ich in meinem späteren Leben eher selten in die Kirche gegangen. Überfluss schafft Abstinenz!
Wir Kinder überstanden die vielen Gebete mit kleinen Krimis und Abenteuergeschichten, die ins Gebetbuch gelegt wurden! Baden in dem kleinen Fluss neben dem Waisenhaus durften wir auch nicht, das sprach gegen die Moral. Allerdings aenderte sich das alles, als eine sozialistische Regierung an die Macht kam....die Schwestern wurden abgeloest, wir bekamen einen Lehrer, mussten nicht mehr in die Kirche und durften dann auch endlich im Fluss baden.
Was für uns Kinder gut war , war aber nur bedingt gut  für die Welt der Erwachsenen.
Unter den Sozialisten, wurden ueberall "Räte" gebildet. Jede Firma hatte einen "Rat" und auch die Mitglieder der Schauspielensembles bekamen einen "Schauspielerrat". Diese mischten sich in jede Handlung der Theaterleitung und hatten die Macht zu stoeren. Die guten, soliden Schauspieler lehnten es meist ab bei den Räten mitzuwirken, daher hatten nur die weniger guten die Dinge in der Hand. Das gab natuerlich viele unerquickliche Szenen zwischen der Direktion und dem Ensemble. Meine Eltern verloren die Lust und schlossen das Theater. Sie holten mich ab und wir zogen vorerst nach Baden, bei Wien.


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