Mittwoch, 13. Februar 2013

25 . Kapitel : Über Menschlichkeit und Fehlbarkeit....

Ich brauchte einen "Tapetenwechsel" und probierte mein Glück in Curitiba, einer Stadt in Südbrasilien, mit hoher europäischer Einwanderungsquote.


Curitiba


Jetzt hatte ich zwar eine Arbeitserlaubnis, aber keine richtige Ausbildung, also dachte ich, das der Beruf des Möbelpolierers   genau das Richtige für mich wäre ...was musste man schon so spezielles können um als Möbelpolierer zu arbeiten??
Grosser Irrtum!
Ich bekam den Job bei einer Möbelfabrik von Salomão Guelmann (**unten auf der Seite befindet sich ein link ueber Salomão Guelmann!)  und stellte fest, man musste vielerlei können,  wenn man als Möbelpolierer  arbeiten wollte!
Ganz besonders brauchte man Geduld, weil es sehr viele Arbeitsschritte gab :...schmirgeln, beizen, wieder schmirgeln, nochmals beizen, ölen , lackieren, wieder lackieren und dann nochmal lackieren...kurz und gut...diese Arbeit machte mich wahnsinnig, denn ich war einfach zu ungeduldig!
Allerdings traf ich dann eine Verabredung mit zwei Lehrlingen, die die Arbeit für mich an ihren Wochenenden machte, ich bezahlte sie dafür und kam immer noch gut dabei weg, da ich meinen Service auch privat anbot .
Da meine Frau aber nicht nach Curitiba ziehen wollte, kehrte ich wieder nach São Paulo zurueck   und begann mit Radios zu arbeiten.
Ich gründete zusammen mit einem Freund eine Firma , die Firma "Radio Rex Ltda" . Das wichtigste Stueck bei einer eigenen Firma war eine Schreibmaschine, so wichtig wie heutzutage ein Computer!
Wir hatten aber kein Geld für eine Neue, deshalb schauten wir Inserate an und wurden auch tatsaechlich fündig ..eine "Orga" stand zum Verkauf und wir kauften sie. Weil sie kleine Probleme aufwies, baten wir in einer Schreibmaschinen-Reparaturwerkstatt darum, sie uns zu richten.



Am nächsten Tag bekamen wir allerdings die traurige Nachricht, das es sich um eine gefälschte Orga handelte und sie auch nicht reparabel war. Was sollten wir nun tun? Unser ganzes Geld war dabei drauf gegangen und wir brauchten sowohl eine funktionierende Schreibmaschine, als auch unser Geld zurueck!
Da hatte mein Sozius eine Eingebung...:
-"Es muss in einer Stadt mit 2 Millionen Einwohnern doch mindestens noch zwei Deppen geben, wie wir es sind!"
Wir inserierten die Schreibmaschine für den gleichen Preis den wir bezahlt hatten und prompt fanden wir auch einen Käufer.
Dieser nahm die Maschine mit und kam gleich am nächsten Tag wieder, in Begleitung eines Polizisten....wir erklärten dem empörten Käufer und dem Polizisten,  dass auch wir die Maschine erst kürzlich gekauft hatten, und das sie einfach nur zu gross für uns war...immerhin hatten wir an dem Kauf nichts extra verdient und da wir die Quittung davon noch hatten, war alles gut.
Wir kauften dann eine ueber die Reparaturwerkstatt, die uns ueber die Orga aufgeklärt hatte.

Unsere Firma verkaufte Radiomoebel, bei denen dann der Plattenspieler und die Lautsprecher einmontiert wurden.




Das Geschaeft lief gut und wir hatten erstmal keine Sorgen mehr.
Von meinen Eltern bekam ich während der Zeit nur 4 Briefe, die durch das Rote Kreuz übermittelt wurden. Auch ihnen ging es gut. Meine Mutter und ihre Cousine hatten in Ruhpolding Unterschlupf gefunden, wo der Bürgermeister,  der sehr wohl wusste das beide Jüdinnen waren,  ein oder besser, alle zwei Augen zudrückte  weil er, wie er sich ausdrückte : - Die Haderlumpen von der Partei nicht ausstehen konnte!!

Menschen wie er, erleichtern einem das Atmen....leider waren nicht alle so.

Eine alte Postkarte von Ruhpolding....

** Link:
http://www.visaojudaica.com.br/Junho2006/artigos/18.html

Anmerkung :
Die Begegnung mit Samuel Guelmann hat mein Vater immer erzaehlt, denn er lernte ihn nur kennen, weil er in Curitiba, wo er niemanden kannte, deutsche Nachnamen auf den Namensschildern der Haustüren suchte. Der Nachname "Guelmann" schien zwar deutsch, aber Herr Guelmann war eigentlich aus Polen und sprach nur "jiddisch" (ausser portugiesisch und polnisch)....trotzdem konnten sie sich genau deswegen verständigen  Mein Vater konnte zwar kein jiddisch, aber jiddisch kommt aus dem Mittelhochdeutsch, und ist somit durchaus zu verstehen....Herr Guelmann aber, fiel aus allen Wolken, denn er konnte durchaus nicht begreifen, warum er wiederum deutsch verstand....laut Aussage meines Vaters fragte er erstaunt seine Frau..:" Wie kimmt zu mir deitsch???"

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