Mittwoch, 13. Februar 2013

24 . Kapitel : Familiengründung...

Auf dem Weg nach São Paulo überkam mich die Lust auch einmal wieder tanzen zu gehen und es fand sich tatsächlich eine Möglichkeit . Die jüdische Gemeinde gab ein kleines Fest, bei dem man sich mit wenig Geld bei Musik und Tanz ein wenig vergnügen konnte. Dort traf ich zum ersten Mal meine zukünftige Frau, die dort mit ihrem Vater und ihrer Schwester ebenfalls war.

Wir heirateten einige Zeit später, trotz einigem, teilweise erbitterten, Widerstandes ihrer Eltern (durchaus nichts ungewöhnliches  weder damals, noch heutzutage!), denn ich hatte keine feste Anstellung und war auch nicht reich! Ich hatte bereits schon einmal in meinem Leben, wegen finanzieller "Unreife", auf eine Ehe verzichten müssen.(Dazu muss erklärt werden, dass man als Mann damals nur heiratete, wenn man sich das "leisten" konnte....und durch die schwierigen Zeiten hatte ich dazu nie die Möglichkeit gehabt.)
Nun wollte ich aber nicht mehr länger auf eine eigene Familie verzichten. Wir waren verliebt und setzen uns gegen allen Widerstand durch!
Als frischverheiratetes Ehepaar waren wir anfangs, man kann es nicht anders sagen : arm wie die Kirchenmäuse.
Die nächsten Jahre verbrachten wir beide mit den verschiedensten Arbeiten.
Ich hatte zunächst  eine schlecht bezahlte Stellung in einem chemischen Laboratorium der Firma "Matarazzo", während meine Frau als Schneiderin arbeitete.
Dann aber bekam sie ein besseres Angebot in einem grossen Kaufhaus in der Wäscheabteilung, nämlich bei "Mappin", aber leider wurde sie schon kurz darauf krank und musste aufhören.
Weil mein Verdienst bei Matarazzo aber nicht ausreichte,  versuchte ich mein Glück  als Vertreter,  was nicht sehr gut funktionierte, da ich, jedes Mal wenn jemand die Türe öffnete, einfach aus lauter Scham davonlief!
Erst nach einem Monat konnte ich mein erstes Radio verkaufen und brach somit das Eis....danach verkaufte ich jeden Tag recht gut. Bald konnten wir uns sogar ein kleines gebrauchtes Auto leisten.Was sowohl mir , als auch meiner Frau das Leben schwer machte war die fehlende Arbeitserlaubnis...alles was wir taten war "schwarz" und damit eben unterbezahlt.

Währenddessen tobte in Europa der Krieg.

Wir hofften , das wir jetzt , nach Kriegsbeginn, vielleicht endlich eine gültige Arbeitserlaubnis bekämen. Aber erst nachdem U-Boote ein brasilianisches Passagierschiff, die "Araraquara" versenkten,  wobei  rund 300 Menschen ertranken, und es hiess, ein deutsches U-Boot habe das Schiff torpediert, trat auch Brasilien endlich in den Krieg ein und somit zwangen internationale Verpflichtungen und keineswegs menschliche Motive, die brasilianische Regierung, uns Flüchtlingen eine Arbeitserlaubnis zu bewilligen, die uns allen endlich ein wenig das Leben erleichterte.

Die Araraquara, versenkt am 15.08.1942


Bei allen Schwierigkeiten die man auch so schon in meiner Situation  haben konnte, bekam ich auch noch
Ärger von einer Seite von der ich es am wenigsten erwartete. Jemand zeigte mich nämlich bei der jüdischen Gemeinde als "Nazi-Spion" an. Ausgerechnet mich! Das ich blond und blauäugig war, hat wohl ausschlaggebend dazu beigetragen.
Das gab natürlich einigen Krach, bei dem Bedrohungen und Götz von Berlichingens Zitate hin und her flogen. Nach Aufklärung der Fakten, liess man mich dann aber in Ruhe.

In all den Wirren dieser Zeit , kam auch meine erste Tochter, Marion, zur Welt. Man kann sich eben nicht aussuchen in welchen Zeiten man geboren wird......






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