Ich erzählte ihr von dem Visum, aber sie schüttelte nur den Kopf und erklärte, dass der nette Herr überhaupt nichts mit Visaangelegenheiten zu tun hatte und sei nur zufällig im Buro gewesen . Ich koenne leider kein Visum bekommen.....Ich zeigte ihr meine Buchung, sie zuckte mit den Achseln. Für mich ging erstmal eine Welt unter und ich setzt mich verzweifelt auf eine Bank im Konsulat...ich guckte die Dame an, sie guckte zurueck...dies ging eine ganze Weile so hin und her, bis sie plötzlich aufstand und mich an ihren Schreibtisch rief.
-" Sie bekommen ihr Visum!"
-" Kann ich es gleich bekommen??"
-" Nein, aber Sie können es morgen abholen."
Ich war noch nie so glücklich gewesen in meinem Leben!
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| Aracy Guimarães Rosa |
Die brasilianischen Leser dieses Blogs wissen vermutlich wer die junge Dame auf diesem Bild ist, aber ich möchte es hierbei auch den deutschen Lesern erklären Es handelt sich dabei um Aracy Guimarães Rosa, meiner Lebensretterin, aber auch die spätere Ehefrau des berühmten brasilianischen Schriftstellers João Guimarães Rosa, der nämlich genau zu dieser Zeit , in der sie beim Konsulat arbeitete, der stellvertretende Konsul war. Es wurde später bekannt das sie mehrere jüdische Familien rettete indem sie ihnen , auch gegen alle Regeln, Visen beschaffte, die ihr Verlobter als Vize Konsul ohne es zu wissen, unterschrieb.
Meine Mutter, die am nächsten Tag mit mir zusammen zum Konsulat ging , um die Visen abzuholen, verstand sich auf Anhieb mit "Dona" Aracy und sie wurden später auch Freundinnen. Sie besorgte die Visen für unsere ganze Familie und keines davon hat mehr gekostet als die offiziellen 12 Mark!
Unserer Abreise stand nun nichts mehr im Wege, ausser vielleicht noch die Gefahr einer eventuellen Verhaftung am Hamburger Hafen.
Da ich kein portugiesisches Wörterbuch auftreiben konnte, kaufte ich ein spanisches, in der irrigen Ansicht, das es vermutlich fast das Gleiche wäre.
Man durfte 10 Mark mitnehmen wenn man ins Ausland fuhr, ein wirklich lächerlicher Betrag, aber wir wären sogar nackt gefahren, solange wir nur aus Deutschland raus konnten!
Es ist ein sehr eigenartiges Gefühl aus dem eigenen Land vertrieben zu werden, auch wenn man Wut spürte oder sogar Hass...es war dennoch die Heimat, und vielleicht nie wieder zurueckkehren zu können stimmte einen traurig.
Ich ging noch ein letztes Mal an der Alster spazieren, trotz der bunten, rund ums Alsterbecken aufgehängten Lampen die einen in gute Laune versetzen sollte, war die Stimmung gedrückt . Jeder ahnte wohl, dass der Frieden nicht mehr lange anhalten würde.
Am nächsten Tag begann die Reise....nach Brasilien
Unserer Abreise stand nun nichts mehr im Wege, ausser vielleicht noch die Gefahr einer eventuellen Verhaftung am Hamburger Hafen.
Da ich kein portugiesisches Wörterbuch auftreiben konnte, kaufte ich ein spanisches, in der irrigen Ansicht, das es vermutlich fast das Gleiche wäre.
Man durfte 10 Mark mitnehmen wenn man ins Ausland fuhr, ein wirklich lächerlicher Betrag, aber wir wären sogar nackt gefahren, solange wir nur aus Deutschland raus konnten!
Es ist ein sehr eigenartiges Gefühl aus dem eigenen Land vertrieben zu werden, auch wenn man Wut spürte oder sogar Hass...es war dennoch die Heimat, und vielleicht nie wieder zurueckkehren zu können stimmte einen traurig.
Ich ging noch ein letztes Mal an der Alster spazieren, trotz der bunten, rund ums Alsterbecken aufgehängten Lampen die einen in gute Laune versetzen sollte, war die Stimmung gedrückt . Jeder ahnte wohl, dass der Frieden nicht mehr lange anhalten würde.
Am nächsten Tag begann die Reise....nach Brasilien

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